Wo ist die grosse Mutter?
Izmir-Manisa-Afyon-Kütahya-Gordion-Ankara
Mit Suat, unserem langjährig bewährten Chauffeur fahren wir von Izmir über Manisa
nach Afyon,
wo wir eine Woche in einem Thermalbadhotel wohnen um dann weiterzureisen zur Keramikstadt
Kütahya. Hier werden wir uns in einer kleinen Keramikfabrik selber an die Drehscheibe setzen.
Von diesen beiden Orten aus machen wir täglich Ausflüge zu den vielen antiken
Sehenswürdigkeiten der Phryger, Griechen und Römer. So betreten wir die Grabkammer
des legendären König Gordions, suchen rätselhafte Kultstätten der grossen
Urmutter Kybele inmitten einsamer Wälder, besichtigen den grossen Zeustempel in Aizanoi.
Wir reisen langsam und besinnlich, es gibt Zeit zum Verweilen, Lesen oder Schreiben und mehrere
Gelegenheiten zum Shoppen.
Da Ingrid türkisch spricht, gibt es viel Gelegenheit, direkt mit der gastfreundlichen
Bevölkerung in Kontakt zu kommen.
Das Ende der Reise ist in der Hauptstadt Ankara mit dem Besuch des grossartigen Museums der
anatolischen Zivilisationen.
Die Reise verlangt Neugier und Flexibilität und stellt auch sportliche Herausforderungen
beim Klettern und Wandern voraus. Sie eignet sich für Menschen, die trotz ihrer
Selbständigkeit eine gelegentliche Assistenz wünschen, oder in Begleitung von
Angehörigen oder Freunden reisen wollen.
Unterwegs erzählt Ingrid über Götter, über den Islam und die Türkei.
Christiane spricht schöne alte Texte mit uns und Anibal und Ton begleiten auf Wunsch die
malerische oder fotografische Gestaltung der vielen Eindrücke.
Die Reise ist für Teilnehmer aus dem deutschsprachigen Raum und aus Holland.
Auf der Suche nach der Ur-Mutter im Lande König Midas
Diese Reise im phrygischen Hochland westlich von Ankara, hat einen abenteuerlichen
und sportlichen Charakter. Sie findet auf einer durchschnittlichen Höhe von
1000 Meter in freier Natur statt, inmitten weit verstreuter archäologischer
Überbleibsel. Diese lenken den Blick in eine ferne Vergangenheit die in einem
mythologischen Nebel lag, bis Alexander der Grosse den Gordischen Knoten durchhackte.
In ganz Anatolien wurden archäologische Überreste des Ur-Mutter-Kultus
gefunden, von der prähistorischen bis weit in die römische Zeit. Die
ältesten Funde, die mit ihrem Kultus zusammenhängen, sind die
nicht-anthropomorphen, Geigenkistenförmigen Idole, die mit ihren primären
weiblichen Rundungen etwas wiedergeben von der kosmischen Ur-Ganzheit, die während
den frühesten Kulturen noch erlebt wurde. Die anthropomorphe Urmutter sitzt
auf einem Thron flankiert von wilden Tieren, Panthern, Leoparden, oder Löwen;
manchmal hält sie diese Tiere auf dem Schoß; auch unschuldige Tiere wie
Rehe können sich an ihrer Seite befinden.
Zwischen 1200 bis 600 v. Christus wohnte das Volk der Phrygier in einem westlich
von Ankara gelegenen Gebiet. Auf dieser Hochebene befinden sich unzählige
Felsengiebel-Monumente, ganze Berghänge sind mit streng geometrische Motive
bearbeitet, die eine Umhüllung bilden für kleine oder größere Nischen,
in die eine Frauengestalt darstellende Skulpturen gestellt werden konnten. Dies war
die Urmutter, die Mutter der Götter wie Cicero sie nannte. Sie war die Herrscherin
über das Tierreich - die Potnia Theron - das Vorbild des Menschen, der
das Tierische in sich beherrscht. Sie war Mutter Natur, in deren Armen der Mensch sich
einmal aufgenommen gefühlt hatte, wie ein Kind in den Armen seiner Mutter.
Die Ur-Mutter gebärt, hegt und ernährt aus einer unergründlichen
Weisheit heraus die ewigwährende Metamorphosen von blühen und welken,
essen und gegessen werden; sie sorgt für das Gleichgewicht und den Zusammenhang
von allem, mit allem in der Natur, sie hütet die Geheimnisse von Tod und Leben
in der Zeit.
Sie gebar die Götter, die Menschen und die Natur, das sichtbare farbige Kleid
daß in jeder Jahreszeit anders aussieht und in denen Persephones Weben,
Demeters ernährende Fruchtbarkeit, die majestätischen Formen der
Rhea und die Lebensschaffende Vitalität von Gaia wirken. Die Ur-Mutter
umfaßt das ganze Seelenleben der Menschheit, sie trug, umhüllte und begleitete
die Menschheitsentwicklung und beschenkt uns immer noch mit ihren Lebenskräften. Das
erfahren wir beim Spaziergang im Wald, beim Segeln, beim Klettern in den Bergen, jeden
Morgen, wenn wir aus dem Unbewußten des Schlafes auftauchen und mit durch ihre
regenerierenden Lebenskräfte erquickt sind.
Die große Mutter IST.....
Geheimnisvolle, in die Felswände gehauene Treppen führen zu ihrem unsichtbaren
Himmelsthron, oder in die Tiefe führende Treppenschächte mündeten an einem
Kultort, überall war die Ur-Mutter anwesend. Mehrere Meter hohe Reliefs dienten als
Hintergrund für ihren Kultus und markierten die Grenze zwischen sinnlicher und
übersinnlicher Welt.
Diese beeindruckenden Kunstwerke aus dem achten und neunten Jahrhundert v. Chr. legen Zeugnis
ab von einer Phase der Menschheit, in der die Menschen sich noch umgeben fühlten von den
kosmischen Urbildern. In der Stille des unberührten Raumes und der Reinheit von Licht
und Luft, auf den nackten Felsen, hocherhaben über den Alltag, wurde die Verbundenheit
mit der Ur-Mutter erlebt. Zurückschauend in die Urzeit befand sich der Mensch inmitten
der schaffenden Wirklichkeit welche die Berge gebildet hatte - die Knochen von Mutter Erde -
und er fühlte die Verwandtschaft mit seinem eigenen Skelett. Als diese
selbstverständliche, direkte Wahrnehmung der lebendigen, strömenden Lichtwelt
verblasste, musste eine Dekoration von gewaltigen, mit geometrischen Motiven geschmückten
Felswänden das Erleben der schaffenden Götterwelt unterstützen.
Eine Reise diesen geheimnisvollen und unbekannten Heiligtümern entlang - weit weg von
der Zivilisation - bringt uns uns auch in Kontakt mit der Ur-Mutter in uns selber.
|