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- an den Ufern des Euphrats - |
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Wann endet die Prähistorie? Die offizielle, auf schriftliche Überlieferungen
basierende Geschichte, reicht "nur" 5000 Jahre zurück. Abraham (±2000 v.Chr.) und
Moses (±1250 v.Chr.) passen da noch rein. Wie viel mehr können wir mit unserem
heutigen Bewusstsein fassen? Können wir Noah direkt neben der letzten Eiszeit
platzieren?
Als moderne westliche Menschen, gewohnt, mit einem Knopfdruck alles Notwendige zu erledigen, sprechen wir sehr leicht über Produktionsprozesse wie über abstrakt mechanische Abläufe. Die Technik hat uns alles aus den Händen genommen: das Melken, Säen und Ernten, unsere tägliche Nahrung wird uns kilo- oder literweise sauber abgepackt und handlich über die Ladentheke gereicht. Wie sollen wir diese durch Menschenhände geschaffenen, all unser heutiges Können in den Schatten stellenden gigantischen Monumente anschauen und verstehen? Ihre Dimensionen überragen unser Vorstellungsvermögen und wenn wir uns klar machen, dass dies alles ohne technische Hilfsmittel geschaffen wurde, verschlägt es uns die Sprache. Begriffe wie Nachhaltigkeit oder Nützlichkeit verlieren hier den gewohnten Bezug. Hier können wir Vergangenheit und Gegenwart Revue passieren lassen, die Arroganz unserer Wohlstandsgesellschaft reflektieren, staunen und Ehrfurcht empfinden gegenüber diesem sakralen Ort einer nicht mehr vorstellbaren Vorzeit. Die literarische Sprecharbeit die diese Reise begleiten wird, soll eine Hilfe sein, uns immer wieder an uns selber orientieren zu können.
Ausgehend vom modernen Şanlıurfa, an der Grenze des regenreichen Taurusgebirges,
dem mittelalterlichen Edessa mit seinen reich fließenden Quellen, wo der Apostel
Thomas das "Lied der Perle" schrieb, besuchen wir auch das alttestamentarische Harran,
wo Abraham zum ersten Mal seinen göttlichen Auftrag vernahm, und wo elf der zwölf
Söhne Jakobs geboren wurden, die Stammväter des Volkes Israels. In derselben
Umgebung liegt Soğmatar, ein Kultort, wo zu Ehren der sieben Planeten auf
sieben Hügeln, sieben Tempel gebaut wurden.
Im Museum in Gaziantep wechselt unser Staunen über das Kolossale in Bewunderung für das Kleine, wenn wir die winzigen hethitischen und assyrischen Rollsiegel und die berühmten römischen, vor dem Untergang im Staudammprojekt geretteten Mosaiken aus Zeugma betrachten.
Während der Fahrt von Gaziantep nach Osmaniye besuchen wir Yesemek, wo Hunderte hethitische Sphinxe aus Basalt zurück geblieben sind, als diese Bildhauerwerkstatt verlassen wurde. Von Osmaniye aus fahren wir weiter westwärts nach Castalba und zur hochgelegenen hethitischen Anlage Karatepe Aslantaş, von wo aus wir auf den Ceyhan-Fluss schauen. Unterwegs nach Adana klettern wir auf einer der armenischen Burgen Toprakkale oder Yılankale um uns von der Geschichte und den Mythen der Landschaft zu verabschieden. |
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